Die Inselsberg-Klinik liegt im thüringischen Tabarz, einem seit über 100 Jahren gern besuchten Erholungs- und Wintersportort am Nordrand des Thüringer Waldes. Die Klinik bietet ein herrliches Panorama ...
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Mammakarzinom

Stationäre Rehabilitation für Patientinnen mit Mammakarzinom 

Definitionsgemäß werden unter Rehabilitation alle Vorgänge, Leistungen, Hilfen und Gestaltungen von Lebensumständen verstanden, die auf die Eingliederung der Behinderten und von Behinderung Bedrohten ins Arbeitsleben und in die Gesellschaft insgesamt gerichtet sind.
Die stationäre Rehabilitation bietet den Patientinnen mit Mammakarzinom die Möglichkeit, Abstand von ihrer Erkrankung, d. h., von der eingreifenden Operation, von den Folgezuständen der Chemo- und Strahlentherapie wie auch von den krankheitsbedingten psychosozialen Problemen zu gewinnen.
Die vorübergehende Distanz von beruflichen und familiären Verpflichtungen, Rollen, Erwartungen, Sorgen und Konflikten vermag mancher Patientin mit Mammakarzinom wieder einen Zugang zum eigenen Ich zu eröffnen.

Das bedeutet gleichzeitig, Probleme besser zu erkennen, nach Lösungen zu suchen, Aktivität und Kreativität zu entwickeln und somit Wege zu einem konflikt- und angstfreien bzw. zu einem konflikt- und angstärmeren Leben zu entdecken.

Oftmals ist es sinnvoll, Patientinnen mit Mammakarzinom nach Abschluss der Ersttherapie im Akutkrankenhaus oder nach einer ambulanten Bestrahlung direkt zur stationären Anschlussheilbehandlung (AHB) in eine geeignete Rehabilitationsklinik zu überweisen. Diese AHB ist meines Erachtens die wichtigste Rehabilitationsmaßnahme, da die Patientinnen in dieser Phase der Tumorerkrankung intensive medizinische Zuwendung und Beratung benötigen, um die Mammakarzinom erkrankung schneller und besser annehmen zu können und beim Erarbeiten von Krankheitsbewältigungsstrategien Unterstützung zu erhalten.

Weitere stationäre Rehabilitationen können nach Antragstellung durch den Renten- bzw. Krankenversicherer bewilligt werden.

Die stationäre Rehabilitation zeichnet sich durch folgende Charakteristika aus:  

1. Fachliche Spezialisierung
Durch den überregionalen Einweisungsmodus kommen jeweils größere Patientengruppen mit vergleichbaren Krankheitsbildern zusammen. Durch die Kooperation eines aus mehreren Fachdisziplinen bestehenden therapeutischen Teams wird ein sehr differenziertes Übungs- und Therapieangebot mit all den dazugehörigen umfangreichen Hilfsmitteln und Einrichtungen ermöglicht. 

2. Multimodale Therapiekonzepte
Durch die Konzentration von medizinischen, psychologischen, ergotherapeutischen, physiotherapeutischen sowie Gestaltungstherapieabteilungen und Ernährungsberatung in einer Klinik wird eine umfassende Betreuung und Beratung der Mammakarzinom patientinnen ermöglicht. 

3. Therapiedichte
Durch sie können individuell zugeschnittene Therapiekonzepte nicht nur qualitativ sondern auch quantitativ besser realisiert werden.

4. Arbeit in Gruppen
Hierbei können spezielle Therapie- und Schulungsformen angewendet werden, die unter Ausnutzung der Gruppendynamik eine Erhöhung der Motivation und eine Verbesserung der Lernsituation bewirken.  

5. Sozialmedizinische Kompetenz
Gutachterliche Aussagen zur körperlichen und seelischen Belastbarkeit müssen im Entlassungsbericht obligat enthalten sein. Dies besitzt Bedeutung für die Reintegration in das Berufsleben oder für die Einleitung eventuell notwendiger nachgehender Maßnahmen bei Patientinnen mit Mammakarzinom. 

6. Vorgegebener Zeitraum
Dieser ermöglicht eine vergleichsweise lange Zeit, die von besonderem therapeutischen Nutzen ist. Individuelle Therapieziele können zeitlich gestaffelt erarbeitet und durch Verlaufskontrollen überprüft und gegebenenfalls korrigiert werden.  

Die Rehabilitation von Patientinnen mit Mammakarzinom umfasst im Wesentlichen folgende Bereiche:

1. Medizinische Rehabilitation
2. Psychosoziale Rehabilitation
3. Sozialmedizinische und berufliche Rehabilitation

Medizinische Rehabilitation
Hierzu gehört eine Information der Mammakarzinom patientin über die Art und Prognose der Erkrankung. Auch Themen wie Umgang mit der Angst, Risikofaktoren, Fragen der Vor- und Nachsorge, der Schmerztherapie, der Strahlenbelastung, von therapeutischen Außenseitermethoden, so genannten Krebsdiäten und Aspekte einer gesunden Lebensführung müssen angesprochen werden.

Speziell sollen Verhaltensmaßnahmen nach Brustoperation, Probleme der prothetischen Versorgung, des Brustaufbaues, der Lymphödem­prophylaxe und –behandlung mit der Patientin erörtert werden.
Auf entsprechende Therapien bei Schmerzen im Narben-, Schulter-, Nacken- und Armbereich muss individuell eingegangen werden.
Auch klimakterischen Beschwerden und Fragen der Hormonsubstitution kommt eine klinische Relevanz zu. 

Eine krankengymnastische Therapie soll die Funktionsfähigkeit des Schultergelenkes garantieren, die Entstehung von Narbenkontrakturen verhindern bzw. beheben. An erster Stelle solcher Maßnahmen wären Bewegungsübungen, Gymnastik, und wenn die Narben- und Hautverhältnisse es zulassen, therapeutisches Schwimmen zu nennen. 

Spezielle Therapieformen stellen die Atemgymnastik, die komplexe physikalische Entstauungstherapie bei Lymphödemen und die Behandlung von Therapienebenwirkungen dar.

Häufig sind auch die Fortführung von Chemo- und Hormontherapie sowie eine intensive Diagnostik, Überwachung und Behandlung von Begleiterkrankungen erforderlich.  

Auch das „Sichgewöhnen“ an Brustprothesen muss einbezogen werden. 

Einen wichtigen Stellenwert nehmen Aspekte der Freizeitgestaltung ein.

Die Mammakarzinom patientin muss auch über sinnvolle Verbote aufgeklärt werden. Hierzu gehören Wärmereize wie direkte Sonneneinstrahlung, Sauna oder Fango, die eine verstärkte Durchblutung im Operations- und Armbereich bewirken und so einer Lymphödembildung Vorschub leisten können.

Auch sei auf Überlastungen des Armes, Stauungen, Verletzungsrisiken und Infektionen hingewiesen. Gerade Infektionen wie das Erysipel (Wundrose) bedürfen einer sofortigen antibiotischen Therapie. Mitunter macht sich auch eine Antibiotika-Langzeitprophylaxe bei diesen Patientinnen mit Mammakarzinom erforderlich.  

Psychosoziale Rehabilitation
Ein „Mammakarzinom“ zu haben, verbindet häufig die Vorstellung von Unheilbarkeit, Verstümmelung und frühzeitigem qualvollen Tod. Auch die Kenntnis guter Heilungschancen vermag kaum, die Angst abzubauen. 
Zusätzlich belasten die therapieinduzierten körperlichen Folgen der Tumorerkrankung die Patientin erheblich (Mammaamputation, Mammanarbe, Nebenwirkungen der Chemo- und Strahlentherapie im Sinne von Haarausfall, Hautreaktionen usw.). 
Die Behandlung führt zu einer meist durch die Operation sichtbaren Beschädigung des Körpers. Das Selbstbild stimmt nicht mehr. Die Folge ist nicht nur eine äußerlich sichtbare Verletzung, sondern auch das Selbstwertgefühl ist erheblich beeinträchtigt, was letztlich zu einer schweren Lebenskrise führen kann. 

Die emotionale Problembewältigung ist von der Persönlichkeitsstruktur der einzelnen Patientin mit Mammakarzinom abhängig und individuell sehr unterschiedlich.
Einige Möglichkeiten der Verarbeitung sind hypochondrische Reaktionen, Zerbrechen an der Erkrankung, Trauerreaktion, Flucht und Verdrängung.
Aus der Vielschichtigkeit der emotionalen Problemverarbeitung resultieren die wesentlichen Ziele der psychischen Betreuung. Die Patientin mit Mammakarzinom erfährt, dass außergewöhnliche und starke gefühlsmäßige Äußerungen und Verhaltensweisen in konfliktreichen Lebenssituationen der Erhaltung der eigenen Persönlichkeit dienen. 

Optimale Betreuung und Nachsorge erfordern die Einbeziehung aller individuellen körperlichen und psychischen sowie sozialen Faktoren, da die Patientin durch die Mammakarzinom erkrankung in der Gesamtheit ihrer Person und Lebenssituation betroffen ist.

Der Arzt und sein therapeutisches Team müssen Aufklärung sachlich und hilfreich gestalten. Mit Einfühlung müssen die auftretenden Ängste angenommen werden, ohne sie mit tröstenden Worten zu rationalisieren.

Jede Information sollte von der Hoffnung auf Besserung begleitet sein. Wesentliche Ziele der psychischen Betreuung von Patientinnen mit Mammakarzinom sind:

1.    Eine angemessene Krankheitsverarbeitung,
2.    die Annahme des neuen Körperbildes,
3.    der Aufbau einer stabilen zuversichtlichen und ausgeglichenen
       Stimmungslage sowie
4.    das Aufarbeiten bestehender Konflikte.  

Dies soll in einer Atmosphäre des Vertrauens mit ständiger Offenheit für alle Probleme der Patientin mit Mammakarzinom sowie mit Aussprachemöglichkeiten und gesundheitsstabilisierenden Maßnahmen einhergehen. 

Autogenes Training, Gruppen- und Einzelgespräche, gegebenenfalls Kriseninterventionen begleiten die Mammakarzinom patientin. Neben Einzelgesprächen haben Gruppengespräche besondere Bedeutung. Sie helfen, Ängste konkret zu überwinden.  

Durch gezielte Anleitung in Gestaltungs-, Kreativ- und Ergotherapie sowie im persönlichen Gespräch kann die Patientin mit Mammakarzinom in geeigneter Weise wiedererwachende Fähigkeiten spüren und trainiert gleichzeitig ihre kreativen Möglichkeiten. 

Das Partnerschaftsverhältnis sollte stets angesprochen werden. Speziell auf diesem Gebiet existieren häufig Kommunikationsprobleme, die sich oftmals aus falscher Rücksichtnahme, Verunsicherung und Angst auf beiden Seiten potenzieren können. Auf diese Weise kann die Ehe von Patientinnen mit Mammakarzinom in eine ernste Krise geraten. Ein offenes Gespräch mit Einbeziehung des Partners vermag, oftmals scheinbar nicht zu überwindende Barrieren abzubauen.
Zu all den genannten Maßnahmen kommen funktionelle Entspannung, Kultur- und Tanzveranstaltungen sowie Wanderungen unter Führung hinzu. 

Ein ständiger Informationsaustausch zwischen Arzt, Psychologen und medizinischem Personal muss praktiziert werden, damit die komplex konzipierte Therapie von Patientinnen mit Mammakarzinom ständig aktualisiert wird und somit auch zu einem optimalen Effekt führt. 

Sozialmedizinische und berufliche Rehabilitation
Eine Rehabilitation von Patientinnen mit Mammakarzinom ist ohne Berücksichtigung der sozialen Probleme heute nicht mehr denkbar. Die soziale Beratung soll für die Patientin in ihrer ganz speziellen Situation vornehmlich in wirtschaftlicher und beruflicher Hinsicht neue Perspektiven aufzeigen.
Häufige Beratungsinhalte von Patientinnen mit Mammakarzinom sind deshalb:

1.    Probleme am Arbeitsplatz
2.    Berufliche Förderung einschließlich Umschulung
3.    Fragen der Behinderung (Schwerbehindertenrecht, Kündigungsschutz, steuerliche
       Vergünstigungen)
4.    Fragen der Sozialversicherung (Krankenkassenleistungen,
       Krankengeld, Rentengeld, Leistungen der Arbeitsverwaltung)
5.    Pflege- und Haushaltsfragen (Wohngeld, Sozialhilfe)
6.    Wohnungssituation
7.    Umschuldungen
 

Körperliche Behinderungen sind für die verbliebene Leistung der Mammakarzinom patientin von wesentlicher Bedeutung. Länger dauernde Arbeitsunfähigkeiten sind oftmals gar nicht zu vermeiden. Mitunter liegt auch eine Erwerbsminderung vor. 

Dabei muss sich die sozialmedizinische Beurteilung an dem Ist-Zustand und nicht an Prognose-Kriterien orientieren. Dem Grundsatz, Rehabilitation geht vor Rente, sollte ausreichend Beachtung gewidmet werden. Berufsfördernde Maßnahmen oder Hilfestellungen am Arbeitsplatz können für die weitere Befindlichkeit der Mammakarzinom­patientinnen günstiger sein als ein wohlwollend und gut gemeint geäußertes Verständnis für eine vorzeitige Berentung.

Abschließend kann konstatiert werden, dass es Aufgabe der Rehabilitation von Patientinnen mit Mammakarzinom ist, das körperliche, seelische und soziale Wohlbefinden wiederzuerlangen. Hierdurch soll es ermöglicht werden, eine notwendigerweise verbliebene Behinderung zu akzeptieren und das Leben eigengestalterisch zu führen. 

MR Dr. med. Volker von Paris

Weitere Informationen

Telefon 036259 53-0
Fax 036259 53-213

E-Mail
info@inselsberg-klinik.de

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